Die Japanische Teezeremonie: Wissenswertes über eine jahrhundertealte Tradition

Mehr über den Teeweg bzw. die Teezeremonie in China und Japan erfahren

Die Teezeremonie ist eine jahrhundertealte Tradition aus dem fernen Osten und hat bis heute große kulturelle Bedeutung – vor allem in Japan, aber auch in China. Die „Cha No Yu“ – „Der Teeweg“ ist eine rituelle Zeremonie, deren Ablauf stets genau festgelegten Regeln und Handgriffen folgt. Es gibt jedoch verschiedene Schulen und damit Varianten des Rituals. Der Teeweg dient dazu, einem oder mehreren Gästen die Möglichkeit zur inneren Einkehr zu bieten, indem man ihm in einer schlichten Umgebung, einem Teehaus, nach genau festgelegtem Ablauf leichte Speisen, Sake (Reiswein) und natürlich vor allem Tee serviert.

Die Geschichte der Teezeremonie

Die Chinesen haben bereits vor etwa 5.000 Jahren erkannt, dass die Blätter der Teepflanze eine belebende Wirkung haben. Der Aufguss aus diesen Blättern wurde jedoch lange Zeit vornehmlich als Heilmittel in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet. Zuverlässig belegt ist die Existenz einer Teesteuer in China um 221 vor Christus.

Japanische Teezeremonie

Die chinesische Teezeremonie diente den Japanern als Vorbild für ihre eigenen Rituale, wurde jedoch im eigenen Land nie so hoch angesehen bzw. als so bedeutend empfunden, wie das im japanischen Kaiserreich der Fall war. Dort war die Zeremonie lange Zeit der herrschenden Kaste vorbehalten. In China ist die Cha No Yu aber in der breiten Bevölkerung wesentlich etablierter und daher enger mit dem Alltag verbunden – bis heute.

Gäste werden im Reich der Mitte als Zeichen der Wertschätzung traditionell mit Tee bewirtet. Während der chinesischen Teezeremonie servieren die Jüngeren den Älteren in bis zu 15 Gängen Tee, der gemeinsam getrunken wird. Lange Zeit galt die Fähigkeit guten Tee zuzubereiten und damit auch die chinesische Teezeremonie selbst, als wichtiges Auswahlkriterium für die Wahl der Schwiegertochter.

Zwischen 577 und 622 n. Chr. bereisten viele Japaner China und das heutige Korea um kulturelle Eindrücke und Wissen über die buddhistischen Lehren zu sammeln. Von diesen Reisen brachten sie auch die Teeblätter auf die japanischen Inseln. Deren Aufguss wurde zunächst ausschließlich von Mönchen in ihren Klöstern als Heilmittel getrunken.

In der Zeit von 792 bis etwa ins 12. Jahrhundert verbreitete sich das Trinken von Tee zunehmend und die ersten japanischen Teezeremonien wurden abgehalten. Im 10. bis 12. Jahrhundert wurde zwischenzeitlich zwar kaum Tee getrunken, mit der Wiedereinführung der Teezeremonie durch den Zen-Meister Musō Soseki gewann die Japanische Teezeremonie jedoch wieder verstärkt an Bedeutung und wurde schließlich sogar zum religiösen Ritual erhoben und als solches immer weiter verfeinert. Zu dessen Ablauf gehören unter anderem das Schlagen eines Gongs und das Abbrennen von Weihrauch.

Im 14. Jahrhundert etwa hat sich die Teezeremonie schließlich auf alle gesellschaftlichen und Kasten ausgeweitet. Die Japanische Teezeremonie ist seitdem fester kultureller Bestandteil der japanischen Bevölkerung.

Der Ablauf der japanischen Teezeremonie

Zunächst finden sich die geladenen Gäste in einem Warteraum oder dem japanischen Ziergarten ein. Dort verbleiben sie, bis der Gastgeber seine Vorbereitungen abgeschlossen hat. Der Ablauf beginnt mit dem Waschen von Mund und Händen – erst nachdem dies getan ist, betreten die Teilnehmer das traditionelle Teehaus und streifen so symbolisch alle gesellschaftlichen Unterschiede und den Alltag ab.

In einer ersten Phase werden verschiedene Speisen und Reiswein gereicht. Anschließend begeben sich die Gäste zurück in den Warteraum oder den Garten, bis das fünfmalige Schlagen des Gongs den Beginn der Teezeremonie signalisiert. Wenn der letzte Gast die Tür des Teehauses mit einem leichten Geräusch schließt, signalisiert dies dem Gastgeber, dass die Zeremonie beginnen kann. Er bringt nun die Trinkschalen, die Teedosen, einen eisernen Teekessel, ein Gefäß mit frischem Wasser, sowie diverse Löffel und Schöpfkellen aus Bambus zu den Gästen und beginnt das Wasser auf einem Kohlebecken zu erhitzen.

Der Gastgeber verneigt sich vor seinen Gästen und beginnt mit der eigentlichen Zeremonie: Jeder Handgriff von der Zubereitung bis zum Trinken des Tees ist vorgeschrieben und genau festgelegt. Als Grundsätze der japanischen Teezeremonie sind Wa (Harmonie in der Beziehung), Kei (Respekt vor dem Anderen), Sei (Reinheit im Denken und Handeln) und Jaku (Gelassenheit im Umgang miteinander) anzusehen. Während der etwa vierstündigen Zeremonie ist das Teehaus gegenüber äußeren Einflüssen und Störungen verschlossen.

Das Teehaus in China und Japan

Teehäuser haben, ebenso wie die Zeremonie selbst, eine Jahrtausende alte Tradition in China und auch in Japan, wo sie ebenfalls großen Einfluss auf die traditionelle Bauweise hatten. Im „Land der aufgehenden Sonne“ dient das Teehaus vornehmlich der Durchführung des Teewegs. Um Besitzer und Besucher Demut und Bescheidenheit zu lehren und ihnen die Möglichkeit zu geben sich auf das Ursprüngliche zu besinnen, sind diese immer sehr schlicht eingerichtet und meist aus Holz und Bambus erbaut. Möbelstücke oder andere Einrichtungselemente und Dekorationsmittel sind in der Regel nicht zu finden.

Das japanische Teehaus ist gewöhnlich von einem japanischen Garten umgeben und ein kleiner Pfad führt durch diesen Garten zu seinem Eingang – jedoch niemals auf geradem Weg. Der Eingang besteht aus einer rechteckigen Schiebetür. Um den Eintretenden Bescheidenheit zu lehren, ist dieser meist sehr niedrig, so dass der Betretende diesen nur auf Knien passieren kann.

Traditionell ist das Teehaus viereinhalb Tatami groß, dies entspricht etwa 3m x 3m und ist in einen Raum mit Feuerstelle zum Abhalten der Teezeremonie und einen zum Vorbereiten des Rituals unterteilt. Durch die schlichten Außenwände und mit Papier bedeckten Fenster wird der Besucher während der Zeremonie symbolisch von der Außenwelt abgeschirmt.

Schreibe den ersten Kommentar

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*