Geschmack als entscheiden lassen: über Tee, Kaffee und die Gesundheit
Ob jemand eher Kaffeetrinker oder Teetrinker ist, hängt selbstverständlich vom persönlichen Geschmack ab. Allerdings gibt es seit einiger Zeit zunehmend Kaffeetrinker, die versuchen, komplett oder zumindest teilweise auf Tee umzusteigen. Häufig ist der Grund dafür, dass angenommen wird, dies sei gesünder. Aber ist das wirklich so? Ist Tee gesünder als Kaffee?
Lange herrschte die Meinung vor, dass das Trinken von Kaffee das Risiko für einen Herzinfarkt oder andere schwerwiegende Erkrankungen, wie etwa Krebs, erhöhen würde. Studien scheinen dies jedoch zu widerlegen.
Dennoch ist allgemein bekannt, dass übermäßiger Konsum von Koffein unangenehme Nebenwirkungen wie etwa Nervosität und hohen Blutdruck haben kann. Kaffeetrinker setzen häufig auf die belebende Wirkung von Kaffee, insbesondere als Muntermacher am Morgen, wobei Teetrinken eher mit Gemütlichkeit und Entspannung assoziiert wird, ganz nach dem Motto „Abwarten und Teetrinken“.
Es ist jedoch ein Irrglaube, dass im Gegensatz zu Getränken aus der Kaffeebohne oder etwa aus der Kolanuss (Cola), in Tee kein Koffein enthalten wäre. Schwarz- sowie Weiß- und Grüntee enthalten „Teein“, dabei handelt es sich um den gleichen stimulierenden Wirkstoff.
Vorteile und Nachteile von Tee und Kaffee
Der Koffeingehalt in Tee ist niedriger dosiert und an Gerbsäuren gebunden. Je nachdem, wie lange die Teeblätter aufgebrüht wurden, kann die Wirkung auf den Trinker variieren, von anregend bis beruhigend. Auch wirkt das Koffein langsamer, dafür in der Regel aber länger anhaltend. Im Schnitt sind in einer Tasse Kaffee etwa 100 Milligramm Koffein enthalten, etwa doppelt so viel wie in der gleichen Menge Schwarz- Grün- oder Weißtee.
Ein Vorteil für die Teetrinker ist die Wirkung von Tee auf die Zähne: Das aus den Teeblättern gelöste Fluorid stärkt den Zahnschmelz und schränkt die Säureproduktion der Mundbakterien ein. Dieser Nebeneffekt kann somit helfen, Karies zu verhindern. Dabei mussten schon viele Kaffeetrinker feststellen, dass regelmäßiger Kaffeegenuss die Zähne unschön verfärben kann.
Grundsätzlich ist es durchaus gesund, Tee- und/oder Kaffeegetränke in Maßen zu sich zu nehmen; Schwarz- und Grüntee zum Beispiel enthalten Stoffe, denen vorbeugende Wirkung für Krebs nachgesagt wird. Allerdings neutralisiert die gleichzeitige Aufnahme von Milch diese Wirkung gänzlich. Kaffee kann wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Folge helfen, Gicht vorzubeugen, während das Trinken von Teein-/Koffeinhaltigen Tees widerum vor Rheumatismus schützen kann.
Außerdem scheint erwiesen zu sein, dass Koffein grundsätzlich gut ist, um das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung oder Demenz zu reduzieren, indem es eine der negativen Funktionen von Cholesterin blockiert; während die körpereigene „Blut- Hirnschranke“ durch Cholesterin auf Dauer geschwächt wird, stabilisiert Koffein sie.
Durch verschiedene Säuren im Kaffee kann die Magenschleimhaut angegriffen werden. Dunklere Röstungen, welche säureärmer sind als helle, eignen sich daher besser für besonders empfindliche Mägen. Beispielsweise Espresso ist bekömmlich, da die Röstung der Kaffeebohnen hier sehr ausgiebig ist.
Die harntreibende Wirkung von Kaffee ist allgemein bekannt, allerdings tritt sie bei Gelegenheitskonsumenten stärker auf, als bei Gewohnheitstrinkern. Auch stimmt es nicht, dass durch hohen Kaffeekonsum der Wasserhaushalt des Körpers dauerhaft gestört wird. Dieser normalisiert sich üblicher Weise binnen eines Tages wieder gänzlich. Das in Kaffeehäusern häufig gleichzeitig servierte Glas Wasser hat ursprünglich einen anderen Zweck, als den der „regulierenden“ Flüssigkeitsaufnahme, nämlich einen rein sensorischen: Dadurch, dass das Wasser vorher getrunken wird, werden die Geschmacksknospen der Zunge sozusagen „abgespült“ und empfindlicher für das Kaffeearoma gemacht – so ist der Geschmack intensiver.
Alles in Allem ist es schlichtweg falsch, zu glauben, dass Tee gesünder als Kaffee wäre. In Maßen genossen können beide Heißgetränke eine Bereicherung für den Alltag sein, je nach Geschmack. Als Wachmacher, Konzentrationshilfe, zur Beruhigung/Entspannung, oder auch zum Aufwärmen in der kalten Jahreszeit.
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