Ceylon Tee und Teekultur in Sri Lanka

Eine Tasse Schwarzer Tee
Schwarzer Tee

Ceylon Tee und Teekultur in Sri Lanka

Als 1869 eine Pilzseuche die Kaffeeplantagen der britischen Kronkolonie Ceylon zerstörte, stand diese vor dem wirtschaftlichen Ruin. Ein Schotte namens James Taylor half der Insel, sich neu zu erfinden, indem er Teepflanzen aus dem nahen Indien importierte. Purer Ceylon Tee mauserte sich innerhalb kürzester Zeit zum wichtigsten Exportprodukt der Kolonie und zu einer weltweit hochgeschätzten Marke bei Teeliebhabern. Noch heute nippen die Briten um fünf Uhr nachmittags gerne an einem Ceylon Tee, auch wenn dessen Heimat sich seit 1972 Sri Lanka nennt.

Ein kleines Land mit großen Teeplantagen

Teeanbau verschafft auch heutzutage noch vielen Sri Lankern ihr Einkommen. Kein anderes Land auf der Welt produziert pro Kopf so viele Teeblätter wie der unabhängige Inselstaat vor der Südspitze des subindischen Kontinents. Gemessen am Gesamtaufkommen ist Sri Lanka der viertgrößte Teeproduzent der Welt – hinter den flächenmäßig weit riesigeren Staaten China, Indien und Kenia. Besonders die Höhenlagen der Insel eignen sich durch ihr kühles und feuchtes Klima hervorragend dazu, langsam wachsende, hocharomatische Teesorten zu kultivieren. Rund 300.000 Einheimische arbeiten unmittelbar auf den Teeplantagen, auf denen die Ernte das ganze Jahr hindurch per Hand erfolgt. Je nach Anbauhöhe werden die drei Qualitätsstufen Low Grow, Medium Grow und High Grow als edelste Variante unterschieden, wobei High Grow auch den Titel „Champagner unter den Ceylon Tees“ trägt. Ein Löwe als Logo garantiert traditionell die Herkunft und Reinheit des Tees. Kenner schätzen ihn für seinen herben und frischen Geschmack, der an Zitrusfrüchte erinnert.

Die einheimische Teekultur

Die Sri Lanker selbst genießen ihren Schwarztee in der Regel nicht auf die feine englische Art, sondern pur ohne Milch und Zucker. In dieser reinen Form gilt das Getränk als besonders gesundheitsfördernd. Goldstandard der Teezubereitung ist es, die Teekanne zunächst mit heißem Wasser vorzuwärmen, bevor die Teeblätter hineingegeben und mit kochendem Wasser übergossen werden. Bei geschlossenem Deckel muss der Aufguss dann mindestens 3 Minuten ziehen. Sofern doch Milch hinzugefügt wird, dann immer nur im erhitzten Zustand. Die sri-lankische Küche gilt als eine der schärfsten weltweit – und da die Menschen Würze nicht nur im Essen, sondern auch im Tee lieben, lassen sie häufig etwas Ingwer mitziehen. Weite Teile der armen Landbevölkerung greifen sogar ganz auf Ingwertee zurück, weil sie sich die edlen schwarzen Teesorten im Alltag nicht leisten können. Um Ingwertee zuzubereiten, wird ein kleines, geschältes Stück Ingwer direkt in einer Tasse mit kochendem Wasser aufgegossen. Nach einer Ziehzeit von etwa 5 Minuten runden Honig und Zitrone den leicht scharfen Geschmack ab.

Schwarzen Tee genießen
Tasse schwarzer Tee

Die soziale Bedeutung der Teezeremonie

Wie überall auf der Welt belebt die Teekultur in Sri Lanka nicht nur Körper und Geist, sondern vor allem auch soziale Beziehungen. Im Durchschnitt trinken die Bewohner 3 Tassen pro Tag, ganz alltäglich etwa zum Frühstück oder beim geselligen Beisammensein am Nachmittag. Aber auch an feierlichen Anlässen oder zur Begrüßung eines Gastes darf eine gute Tasse des Nationalgetränks nicht fehlen. Zum Schwarztee gibt es häufig kleine, würzige Snacks – sogenannte „Short-eats“. Jede Teezeremonie ist zugleich eine Gelegenheit, sein Teeservice zu präsentieren, sofern der Haushalt sich denn eines leisten kann. In der Qualität des Teegeschirrs spiegelt sich der gesellschaftliche Status wider. Nettes Beisammensein, leckere Kleinigkeiten und ein wenig Etikette – letztlich unterscheidet sich die sri-lankische Teezeremonie also doch nicht so stark von der britischen tea time. Eins steht fest: Der Tee hat in beiden Ländern ein enormes wirtschaftliches wie kulturelles Erbe hinterlassen.

Urlaub in Sri Lanka

Die Teeplantagen und –gebiete Sri Lankas bieten sich natürlich auch als schöne Ausflugsziele bei einer Sri-Lanka-Reise an. Vor allem passionierte Teetrinker können sich einmal nähere Gedanken machen, in diesem schönen Land Urlaub zu machen und dort natürlich auch köstlichen Tee zu trinken. Orte wie Bentota, Beruwela und Aluthgama bieten darüber hinaus mit zahlreichen Hotels, Restaurants und Bars an zauberhaften Stränden alles, was Reisende zur Erholung brauchen.
Wer nicht nur Teeplantagen und Strand genießen, sondern auch bunte Vögel, Schildkröten und andere exotische Tiere beobachten möchte, sollte sich ganz in den Süden Sri Lankas aufmachen. Weitere Infos zu Sri Lanka als Reiseführer bietet der SZ-Reiseführer.

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