Die Britische Teekultur: Teetrinken als traditionelles Ritual

Geschichte des Tees in England

Die Britische Teekultur kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Die ersten Spuren führen zurück bis ins 17. Jahrhundert. Das 17. Jahrhundert war das Jahrhundert, in dem der Teeimport in Groß Britannien begann. Den Großteil des Tees lieferte China. In diesem Jahrhundert galt Tee noch als Statussymbol für die Oberklasse, da er aufgrund des Importes sehr teuer und nur schwer zu bekommen war. Der erste prominente Teefan war Queen Anne, die von 1165 bis 1714 lebte. Ihre Angewohnheit war es, zu ihrem Frühstück, sich stets eine Tasse Tee servieren zu lassen. Um die Jahrhundertwende in das 18. Jahrhundert begannen auch die in England typischen Kaffeehäuser, Tee anzubieten. Damals war es Frauen nicht gestattet, in Kaffeehäusern aufzutauchen. In den Genuss des Tees kamen sie erst nach 1750, nachdem die ersten Teegärten entstanden. Dort war es Männern und Frauen erlaubt, Tee unter freien Himmel zu sich zu nehmen.

Für die Mittelschicht wurde Tee erst gegen Ende des Jahrhunderts interessant. Auslöser war die Senkung der Teesteuer. Ebenfalls gegen Ende wurde England die Drehscheibe des Teehandels für ganz Europa.

Britische Teekultur: Von Briten gern getrunken wird vor allem Schwarzer Tee
Schwarzer Tee wird nicht nur gern von Briten getrunken

Teatime – jeder Tag hat seine besonderen Momente

Über 196 Millionen Tassen Tee werden heute täglich in Groß Britannien getrunken. Die ursprüngliche Teatime, wurde im Laufe der Jahre, auf den ganzen Tag ausgedehnt. Bereits am frühen Morgen starten die Engländer mit dem Early Morning Tea. Beliebterweise wird dieser Tee noch im Bett getrunken. Der am Nachmittag getrunkene Tee wird als Light Tea bezeichnet. Der Haupttee ist der Afternoon Tea. Er wird zwischen 15 Uhr und 17 Uhr getrunken. Der Afternoon Tea wird nicht an einem Esstisch serviert, sondern an einem Teetisch, welche meist in einem Salon stehen. Der Afternoon Tea wird stets von kleinen Appetithäppchen begleitet. Immer beliebter werden kleine Sandwiches, welche mit Ei, Kresse oder Schinken belegt werden.

Zu besonderen Anlässen reicht der Engländer zwischen 17 Uhr und 19 Uhr einen High Tea. Anstatt nur kleiner Häppchen, werden hier zusätzlich zum Tee Mahlzeiten wie Braten, gekochtes Gemüse, kaltes Huhn oder aber Kuchen und Früchte serviert.

Die Details machen es aus – traditionelle Tee Zubereitung in England

Die überzeugten englischen Teetrinker verabscheuen Tee im Beutel. Sie schwören auf lose Blätter. Die Blätter werden mit heißem Wasser aufgebrüht. Bevor die Teeblätter ihr Zusammentreffen mit dem Wasser haben, wird die Teekanne mit heißen Wasser ausgespült und so gleichzeitig mit angewärmt. Die warme Teekanne unterstützt das Aroma des Tees. Die richtige Menge Tee soll pro Tasse ein Löffel Blätter und zusätzlich ein Löffel für den Pott sein. Nach einer kurzen Ziehzeit von drei bis fünf Minuten sollten die Teeblätter aus dem heißen Wasser hinausgesiebt werden.

Der wahre Teegenießer trinkt seinen Tee unaromatisiert und möglichst kräftig. Um den Tee warm zu halten ziemt es sich, die Teekanne mit Hilfe einer Teehaube zu wärmen. Direkte Wärme, beispielsweise aus einem Stövchen, zerstört das feine Aroma des Tees.

Die britischen Teetrinker sind sich einig: Schwarzer Tee muss es sein und Milch gehört in den Tee, um den starken Tee etwas abzumildern. Doch damit endet auch schon die Einigkeit. Die britischen Geister streiten sich nun schon seit Beginn der Teekultur, wie der richtige Tee zubereitet werden muss. Gehört nun erst der Tee in die Tasse oder doch zuerst die Milch? Sowohl die „Milk-In-First“, als auch die „Tea-In-First“-Fraktion hat ihre treuen Anhänger.

Gerüchten zu Folge beteiligt sich sogar die Queen an der Streitfrage und verteidigt die Variante „Tea In First“. Ganz wissenschaftlich und neutral betrachtet wurde früher erst die Milch in die Teetassen gefüllt, um das teure Porzellan zu schützen und Gefahr zu verringern, dass es im Kontakt mit dem heißen Wasser springt. Geschmacklich sollen beide Varianten keinen Unterschied aufweisen.

Besonders gut schmeckt Tee mit süßem Teegebäck
Feines Teegebäck für mehr Teegenuss

Die Versüßung der Teatime: Feines Englisches Teegebäck

Wenn es um die Frage geht, was zum Tee gereicht werden darf, sind sich die Engländer wieder einig. Verschiedenste Hefegebäcke und gewürzte Brote runden den Teegenuss ab. Die Varianten sind hier verschieden und für jeden ist etwas dabei. Egal ob nun kleine, mit Gewürzen und Rosinen verfeinerte Teekuchen, welche noch warm mit etwas Butter dazugereicht werden, einfaches Gebäck mit Trockenfrüchten oder aber ein weiches Malzbrot mit Rosinen und Butter: Die Engländer sind bezüglich der Frage des richtigen englischen Teegebäcks offen und sehr tolerant, solange es sich nicht um schottisches Mürbegebäck handelt.

Die hohe Kunst des Tee Trinkens

Zu guter Letzt sind die strengen Regeln beim Genießen des Tees den Engländern heilig und unbedingt einzuhalten. So ist es Gästen nicht erlaubt, sich selbst Tee nachzuschenken, diese Aufgabe obliegt dem Gastgeber. Der eingeschenkte Tee darf nur geräuscharm gerührt werden. Gegen das Porzellan schlagende Löffel sind verpönt.
Des Weiteren wird die Tasse beim Trinken, nur minimal von ihrer Untertasse entfernt. Um dies zu erreichen wird das Ensemble aus Teetasse mit Untertasse bis zum Kinn angehoben. Nun erst wird die Tasse ausschließlich mit Daumen und Zeigefinger genommen und zum Mund geführt. Um weitere unangenehme Geräusche zu vermeiden wird der Tee in kleinen Schlucken getrunken und auf keinen Fall geschlürft. Selbstverständlich ist während des Tee Trinkens das Rauchen untersagt. Der Rauch von Zigaretten oder Zigarren würde das Aroma des Tees mindestens verändern wenn nicht gar verderben.

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